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Weltanschauung und Religion

Lehrveranstaltungen zur Dimension Weltanschauung und Religion

Antisemitismus und "Drittes Reich"


Der Antisemitismus ist eines der bekanntesten Merkmale des „Dritten Reiches”. Er nahm in der nationalsozialistischen Ideologie eine herausragende Stellung ein. Obwohl viele seiner Anlagen schon weit vor der „Machtergreifung” bestanden, erfuhr er doch zwischen 1933 und 1945 ein ungekanntes Ausmaß. Die Übung soll in die Entwicklung des Antisemitismus im „Dritten Reich” einführen und dabei seine entscheidenden Zäsuren in den Blick nehmen. Hierzu werden nach einer Einführung in seine Vorgeschichte die ersten Jahre der Unterdrückung und Ausgrenzung bis 1938 betrachtet. Anschließend wird der Wendepunkt der „Reichspogromnacht”, die ersten Ansätze zum Völkermord bis 1941 und daraufhin das systematische Vorgehen ab 1941 untersucht. Vervollständigt wird die Übung durch die Thematisierung von Spurenverwischung, Täterfrage, Rezeption und Erinnerungskultur. Die letzte Sitzung behandelt offene Fragen und ein Fazit.

  • Donnerstag, 16:30 - 18:00 (wöchentlich, 29.10.2020 - 12.02.2021)

Arim we-Imahot be-Israel - jüdische Metropolen

In der Frühen Neuzeit waren die Zentren jüdischen Lebens in Europa einem starken Wandel ausgesetzt - das Zeitalter der bedeutenden mittelalterlichen Gemeinden war zu Ende, die jüdische Welt war gezwungen, sich neu zu sortieren. Wir werden in diesem Seminar verschiedene jüdische Metropolen dieser Zeit untersuchen und dabei das große kulturelle Spektrum Europas aus jüdischer Perspektive betrachten.

  • Montag, 10:30 - 12:00 (wöchentlich, 26.10.2020 - 08.02.2021)

Augustinus, über den freien Willen (De libero arbitrio)

Gott ist schuld. Zweifellos. Kriege und Hass, Lug und Betrug - hätte Gott dem Menschen nicht den freien Willen gegeben, wäre so etwas niemals passiert. Was hat er sich überhaupt dabei gedacht, einem unvollkommenen und notorisch unzuverlässigen Geschöpf wie dem Menschen die Entscheidung zu überlassen, ob es gut oder böse handeln will? Mal ehrlich - man muss doch gar nicht allwissend sein, um zu ahnen, wo das endet...

Von dieser - zugegebenermaßen hier etwas polemisch und überspitzt dargestellten - Überlegung ausgehend diskutiert Augustinus in seinem Werk De libero arbitrio die uralten und wohl zeitlos aktuellen Fragen nach Gut und Böse, nach menschlicher Freiheit, Verantwortung und Schuld. Im Dialog mit seinem Gesprächspartner Evodius analysiert er, was es eigentlich bedeutet, Böses zu tun, und was unter einem freien Willen zu verstehen ist. Er sucht zu ergründen, ob bzw. warum Gott dem Menschen einen freien Willen gegeben hat, weshalb der Mensch diesen freien Willen immer wieder missbraucht, um Böses zu tun, und ob die Untaten der Menschen nicht die Schönheit und Güte der göttlichen Schöpfung mindern. Schließlich wendet sich Augustinus der Frage zu, inwiefern der Mensch angesichts seiner eigenen Unvollkommenheit und einer alles umfassenden göttlichen Providenz überhaupt für sein Handeln Verantwortung trägt. Er beendet sein Werk mit der durchaus optimistischen Perspektive, wie es dem Menschen im Vertrauen auf Gott nicht trotz, sondern gerade wegen der ihm geschenkten Willensfreiheit gelingen kann, das Böse in der Welt zu überwinden, gut zu handeln und seine tiefste Sehnsucht nach Frieden und Glück zu stillen.

  • Freitag, 14:30 - 16:00 (wöchentlich, 30.10.2020 - 04.12.2020) - 2531.HS 5K (Z 218)
  • Freitag, 14:30 - 18:00 (wöchentlich, 08.01.2021 - 12.02.2021) - 2531.HS 5K (Z 218)

BFM 4a/b / BFM2-1-a /BFM2-2-a: Literatur und Technik: Literarische und philosophische Betrachtungen vom 19. Jahrhundert bis heute

Im Seminar „Literatur und Technik“ widmen wir uns den komplexen Beziehungen zwischen Literatur und Technik vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Nicht nur ist Literatur intensives Reflexionsmedium über Mensch-Maschine-Interaktionen aller Art, sondern, im Sinne von Literatur und Kultur als Téchne ist Literatur selbst eine (Kultur-)Technik und konstituiert außerdem Technik mit, welche stets auch über Metaphern, Narrative und Imaginäres ausgehandelt und erst mit Bedeutung versehen wird.

Im Seminar werden wir uns verschiedenen Ansätzen widmen, mit denen das Verhältnis zwischen Mensch, Technik und Text zu fassen ist: marxistische, anthropologische, sozialkonstruktivistische, kritische, transhumanistische Theorie wird eingangs erarbeitet und im Laufe des Seminars an konkreten Texten geprüft. Des weiteren wird „Literatur und Technik“ in mehrere Themenblöcke gegliedert: menschliche Automaten; Industrialisierung, Maschine, Fließband; Beschleunigung, Auto, Flugrausch; Computer, Hirn, Text; Biofakte und Cyborgs.

  • Dienstag, 16:30 - 18:00 (wöchentlich, 13.10.2020 - 02.02.2021)

Berufsfelder der Jüdischen Studien und der Jiddistik

Termine (jeweils Freitag)

05.03.2021 10:30–15:00

12.03.2021 10:30–15:00

26.03.2021 10:30–15:00

 

Lehrende: Frau Sandra Franz

Bitte melden Sie sich bei Interesse mit Ihrer Matrikelnummer im Sekretariat der Jiddistik jiddisch@phil.hhu.de.

Sie können dann als Teilnehmer der Veranstaltung hinzugefügt werden. Auch nach Ablauf der Anmeldefrist!

  • Freitag, 10:30 - 15:00 (Einzeltermin, 05.03.2021 - 05.03.2021) - 2421.03.26
  • Freitag, 10:30 - 15:00 (Einzeltermin, 12.03.2021 - 12.03.2021) - 2421.03.26
  • Freitag, 10:30 - 15:00 (Einzeltermin, 26.03.2021 - 26.03.2021) - 2421.03.26

Beschweigen der Shoah und Nachkriegsantisemitismus in der Sowjetunion

Obwohl der sowjetischen Führung wie auch einzelnen Kriegsberichterstattern die NS-Verbrechen an den sowjetischen Juden früh bekannt waren und auch von diesen in Text und Bild dokumentiert wurden, spielte die Erinnerung an die Shoah in der Nachkriegssowjetunion keine Rolle. Entsprechende Mahnmale und Erinnerungszeichen mit lokaler Bedeutung wurden jedoch von Seiten der jüdischen Überlebenden errichtet, aber sie waren ein „unwelcome memory“, selbst wenn sie von den Behörden geduldet wurden.

Darüber hinaus kam es in der Nachkriegssowjetunion zu staatlich inszenierten antisemitischen Kampagnen (Antikosmopolitismus, Prozess gegen die Mitglieder des Antifaschistischen Jüdischen Komitees, sog. Ärzteverschwörung), in deren Gefolge die Zerstörung der jüdischen bzw. jiddischsprachigen Kultur und die physische Vernichtung vieler ihrer Repräsentanten, unbemerkt von der (internationalen) Öffentlichkeit stattfand. Dem staatlichen Antisemitismus fielen überall in der Sowjetunion, sogar in der Jüdischen Autonomen Region Birobidžan in Fernost, sämtliche jiddischsprachigen Zeitungen und Zeitschriften, Theater, Bibliotheken, Schulen, Clubs samt ihrer völlig unschuldigen Schöpfer zum Opfer.

Bereits während des Krieges hatte der Antisemitismus in der Bevölkerung bedenklich zugenommen, aber erst durch die offen antisemitische Antikosmopolitismus-Kampagne der späten 1940er Jahre reichlich Nahrung „von oben“ erhalten. Am 13. Januar 1953 gaben die zentralen Presseorgane die Aufdeckung eines Komplotts von „Mörder-Ärzten“ bekannt, die für den Tod bzw. geplanten Mord an hochrangigen Funktionären verantwortlich gemacht wurden. Sie sollten im Auftrag ausländischer Geheimdienste gehandelt haben. Diese Verlautbarung löste eine regelrechte antisemitische Hysterie im ganzen Land aus. Es grassierten Gerüchte über baldige Deportationen oder Schauprozesse gegen Vertreter der jüdischen Minderheit. Stalins Tod am 5. März 1953 vereitelte das zwar, aber ließ den Antisemitismus keineswegs sofort verstummen.

Die Veranstaltung fragt nach den Auslösern und Ausprägungen, politischen Hintergründen sowie der Funktion bzw. Intention des staatlichen wie populären Antisemitismus in den „schwarzen Jahren“ des sowjetischen Judentums.        

Voraussetzungen für den Nachweis der aktiven Teilnahme sind der regelmäßige Besuch der Veranstaltung, die Vorbereitung (Semesterapparat) auf die einzelnen Sitzungen, die Beteiligung an den Diskussionen sowie die Übernahme eines Kurzreferats.  

 

 

  • Dienstag, 08:30 - 10:00 (wöchentlich, 27.10.2020 - 12.02.2021)

Die Synagoge von Dura Europos

Dura Europos, arabisch Qal'at es-Salihiye, war eine griechischeStadt, die um 300 v. Z., auf Anweisung von Seleukos I. (312-280 v. Chr.),gegründet wurde. Dura Europos liegt im heutigen Syrien am Euphrat, kurz vor derGrenze zum Irak. Der Ort war zunächst eine griechische Siedlung imSeleukidenreich und dann vor allem in parthischer Zeit das administrative undwirtschaftliche Zentrum der Region. Die Stadt gehörte spätestens seit denSeverern als Grenzfestung zum Imperium Romanum, wurde 256/57 von den Sassanidenerobert und schwer zerstört und wohl 273 für immer verlassen. Die Vielfalt, diediese Stadt bietet, wird in diesem Seminar näher betrachtet. Dazu gehören dieStätten der sowohl christlichen als auch jüdischen Gemeinde und der Tempel derArtemis Nanaia, der wohl das älteste Heiligtum der Stadt darstellt. Durch dastrockene Klima konnten die außergewöhnlichen Bebilderungen in den Gebäuden guterhalten bleiben. Im Zentrum des Seminars steht die ausgegrabene Synagoge vonDura Europos. Ihre Fresken sind im Besonderen vor dem Hintergrund desBilderverbots zu analysieren. Auf Grund der klimatischen Umstände sind nichtallein Bilder, sondern auch andere organische Materialien - wie zum BeispielStoffe - erhalten geblieben, die in dem Seminar betrachtet werden sollen. Durchden anhaltenden Syrienkrieg ist diese Ausgrabungsstätte massiv beschädigtworden, konnte aber vorher glücklicherweise dokumentiert werden. Auch diewichtige Arbeit der Wissenschaftler vor Ort, wird in diesem Seminar besprochen.Es soll an dem wohl ältesten Beispiel einer so guterhaltenen Synagoge eine Idee vom jüdischen Leben in einer von Kulturvielfaltgeprägten antiken Stadt vermittelt werden und die Möglichkeit gegeben werden,Methodik zum Analysieren der Fresken zu üben.

  • Mittwoch, 12:30 - 14:00 (wöchentlich, 28.10.2020 - 10.02.2021)

Fremde Religionen in der Frühen Neuzeit

Die Veranstaltung findet ab sofort (09. November) nur noch online statt!

  • Freitag, 10:30 - 12:00 (wöchentlich, 06.11.2020 - 12.02.2021)

Greek Christians in the West: Arts and Architecture

Studiengang

alte PO

Ab WS 18/19

Bachelor Kernfach

Basismodul IV

Aufbaumodul I

Aufbaumodul II

Aufbaumodul III

Basismodul IV

Aufbaumodul I

Aufbaumodul II

Aufbaumodul III

Bachelor Ergänzungsfach

Basismodul III

Aufbaumodul I

Basismodul IV

Aufbaumodul I

Aufbaumodul II

 Master 

Modul I

Modul II

Modul III

Modul 1

Modul 2

Modul 3

Modul 4

Modul 5

Modul 6

  • Montag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 15.03.2021 - 15.03.2021)
  • Dienstag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 16.03.2021 - 16.03.2021)
  • Mittwoch, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 17.03.2021 - 17.03.2021)
  • Donnerstag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 18.03.2021 - 18.03.2021)
  • Freitag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 19.03.2021 - 19.03.2021)
  • Samstag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 20.03.2021 - 20.03.2021)
  • Sonntag, 09:00 - 18:00 (Einzeltermin, 21.03.2021 - 21.03.2021)

Jews and Jewishness in early English literature

There were probably only Jews in England between 1066 – when many arrived in the aftermath of the Norman Conquest – and 1290, when they were expelled from the country under Edward I. Officially, none returned until 1656. Despite – or perhaps because of – their very limited physical presence, Jews and Jewishness were a persistent area of interest for medieval writers and thinkers. They were constructed and imagined in different ways: God’s chosen people; unenlightened but admirable followers of an Old Law; cruel and stubborn murderers of Christ; the spectral Other, like and unlike the Christian majority; and, ultimately, as child-murdering blood-drinking monsters. Many anti-Semitic tropes which endure throughout western Europe were initially devised in this period and in this literature, though representation of Jews is far from universally negative.

This course will focus on the representation of Jews in the literature of early medieval England, though we will also look at some later literature to understand the build-up to the Expulsion in an atmosphere of increasing anti-Semitism. Each week, we will move roughly chronologically through the period looking at different texts and authors, producing a general narrative of the development of thought about Jewishness as well as specific readings. This will include reading translations of biblical stories in prose and poetry, saints’ lives, and histories, as well as looking at some manuscript images.

This course will be delivered entirely online. Most weeks, students will be asked to watch a recorded lecture and contribute ideas and responses to an ILIAS forum, alongside reading for that week supported by a reading guide. There will be three (non-compulsory) live sessions over WebEx, which will be on 4.11, 9.12, and 27.1.

  • Mittwoch, 16:30 - 18:00 (wöchentlich, 28.10.2020 - 10.02.2021)

Juden in der DDR und in anderen Ostblockstaaten

In den 1990er Jahren und in der ersten Hälfte der 2000er Jahre hob der einstige Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung im DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Generaloberst Markus Wolf (1923–2006) seine jüdische Herkunft und geistige Verbindung mit dem Staat Israel hervor. Wolf vermittelte dabei das irreführende Selbstbild des Spionage-Chefs, der seine Mitarbeiter*innen bewusst nicht in und gegen Israel habe arbeiten lassen. Der Fall Wolf spiegelt die ambivalente Geschichte der Juden in der DDR wider: während etliche prominente Parteifunktionäre und Künstler jüdischer Herkunft die Entwicklung des SED-Staates prägten, schrumpften die jüdischen Gemeinden in der DDR dramatisch und die Regierung trieb eine antisemitisch angehauchte radikale antiisraelische Propaganda voran.

Die Situation der Juden in der DDR, die SED-Juden- und Israel-Politik sowie der Umgang der Stasi mit den jüdischen Gemeinden stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Darüber hinaus wird auf die Lage der Juden in Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und in der Tschechoslowakei eingegangen, die Beziehungen zwischen diesen Ländern und dem Staat Israel werden thematisiert und die Rolle des Holocaust in der osteuropäischen Erinnerungskultur wird beleuchtet. Die antisemitischen Kampagnen in Polen und in der Tschechoslowakei (1968) sowie jüdische Witze aus Osteuropa sind weitere Schwerpunkte der Übung.

Voraussetzungen für den Nachweis der aktiven Teilnahme sind der regelmäßige Besuch der Veranstaltung, die Vorbereitung auf die einzelnen Sitzungen, die Beteiligung an den Diskussionen sowie die Übernahme eines Kurzreferats.  

 

  • Mittwoch, 14:30 - 16:00 (wöchentlich)

Jüdische Identität(en) und populäre Bildmedien

Welche Vorstellungen von ,Jüdischsein' werden in unterschiedlichen Medienkonstellationen hergestellt und verhandelt? Als Orte der kulturellen Bedeutungsproduktion haben populäre Medien und ihre Bilder einen entscheidenden Anteil an Vorstellungen von Judentum und ,Jüdischsein'. Vor diesem Hintergrund fragt das online Seminar nach verschiedenen medialen Formen der Präsentation und Repräsentation des ,Jüdischen' in Fotografie, Comic, Film und Fernsehen. Ziel des Projekts ist es, das komplexe und problematische Verhältnis zwischen Aufklärung, Sichtbarmachung und Ausstellen - im Sinne eines Othering-Prozesses - kultureller jüdischer Identität(en) in (audio-)visuellen Medien zu thematisieren und die gesellschaftspolitische ,Macht der Bilder' mit Blick auf die medial-diskursive Inszenierung und Konstituierung von ,Jüdischsein' aus der interdisziplinären Perspektive der Jewish Visual Culture Studies kritisch zu reflektieren.
Indem ein besonderer Fokus auf das Verhältnis von Gender zu anderen identitätspolitischen Kategorien wie Ethnizität, Klasse, Sexualität oder Körper gelegt wird, soll untersucht werden, mit welchen narrativen und formal-ästhetischen Mitteln, gängige Vorstellungen von Judentum und ,Jüdischsein' in populären Bildmedien (re-)produziert, verstärkt oder unterlaufen und verworfen werden.

  • Freitag, 14:00 - 16:00 (Einzeltermin, 30.10.2020 - 30.10.2020)
  • Freitag, 14:00 - 16:00 (Einzeltermin, 06.11.2020 - 06.11.2020)
  • Freitag, 09:30 - 17:30 (Einzeltermin, 11.12.2020 - 11.12.2020)
  • Freitag, 09:30 - 17:30 (Einzeltermin, 29.01.2021 - 29.01.2021)

Ringvorlesung. Philosophie und Religion

Der Begriff der Religion wird heute genauso inflationär verwendet wie jener der Philosophie. Kaum eine Form der fundamentalen Lebensorientierung scheint davor gefeit, alsbald zur Religion gekürt zu werden, wobei zugleich bei kaum einem anderen Begriff so leidenschaftlich darüber gestritten wird, was mit ihm eigentlich bezeichnet werden soll. Daraus ist zwar nicht notwendig abzuleiten, dass die Vielzahl von Religionsauffassungen einer möglichst umfassenden Definition zugeführt werden müssten, aber zumindest muss deutlich gemacht werden, was im Kontext der jeweiligen Diskussion unter Religion verstanden werden soll. Dies gilt umso mehr angesichts einer zunehmenden Tendenz in populären, philosophischen und fachwissenschaftlichen Werken der Religionskritik, Religion als grundsätzlich einheitliches Phänomen vorauszusetzen und in toto zurückzuweisen, weil es den Anforderungen einer objektiven, vorurteilsfreien Vernunft nicht genüge.
Dabei wird oft übersehen, dass Philosophie und Religion seit Beginn der abendländischen Geistesgeschichte spannungsvoll aufeinander bezogen sind. In der Antike zählen religiöse Vorstellungen und der Rekurs auf Mythen zum üblichen Bezugsrahmen, mit denen sich der Mensch die Welt verständlich zu machen sucht, und auch der kosmische Logos der Stoa wird bisweilen als Gott im Singular oder Plural apostrophiert. Vom parmenideischen Lehrgedicht über die frühe Religionskritik eines Xenophanes durchzieht das Spannungsverhältnis von Philosophie und Religion die Spätantike und das frühe Mittelalter unter wechselnder Vorherrschaft. In der Scholastik teils zur ancilla theologiae degradiert, distanziert sich die Philosophie in der Neuzeit nicht nur explizit von der Religion, sondern stellt dem ,bloßen' Glauben eine theistische Vernunftreligion entgegen. Im Zuge des von Nietzsche eingeleiteten postmetaphysischen Zeitalters und des Fortschritts der empirischen Naturwissenschaften scheinen Philosophie und Religion zwar grundsätzlich getrennte Wege zu gehen, doch zeigt sich selbst bei einem streng analytischen Philosophen wie Ludwig Wittgenstein oder einem Poststrukturalisten wie Jacques Derrida ein Gespür für religiöse Dimensionen menschlicher Erfahrung, die zur philosophischen Durchdringung auffordern.
Die Ringvorlesung widmet sich dem Verhältnis von Philosophie und Religion sowohl in systematischer als auch in historischer Hinsicht. Expertinnen und Experten zum Forschungsgebiet bringen so im Laufe des Semesters zum einen unterschiedliche systematische Zugänge zu religionsphilosophischen Fragestellungen zur Sprache, zum anderen aber auch exemplarische Auseinandersetzungen mit repräsentativen Denkern und Texten. So lässt sich zum einen nach der spezifischen Erfahrung fragen, auf der religiöser Glaube beruht, ebenso wie nach Status und Anspruch religiöser Überzeugungen oder religiöser Aussagen. Das schließt auch den Begriff Gottes mit ein, der in der Metaphysiktradition von Aristoteles bis Whitehead ebenso zentral ist wie in der christlichen Theologie, ohne dass immer unmittelbar ersichtlich wäre, ob bzw. in welchem Maße beide zur Deckung kommen können. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage relevant, inwiefern Bekehrungserfahrungen oder Empfindungen religiösen Eifers als Persönlichkeitsmuster losgelöst von spezifischen Glaubensinhalten verstanden werden können und in welchem Zusammenhang beides mit Formen des Extremismus oder Fundamentalismus steht. Zum anderen bietet der Versuch einer begrifflichen und phänomenologischen Konkretisierung dessen, was als Religion bezeichnet werden kann, Anlass zu einer Auseinandersetzung mit einzelnen Denkerinnen und Denkern, bei denen sich exemplarisch die Schwierigkeit einer klaren Trennung von Philosophie und Religion als distinkten Zugängen zur Wirklichkeit zeigt.
Im Anschluss an die Vorträge besteht jeweils die Möglichkeit zur ausführlichen Diskussion.
Das detaillierte Programm finden Sie unter folgendem Link:

Die Anzahl der Präsenzplätze ist auf insgesamt max. 50 begrenzt. Über die Vergabe dieser Plätze werden wir Sie rechtzeitig vor Vorlesungsbeginn informieren. Die Vorträge werden zusätzlich per Webex als Livestream übertragen, sodass alle, die sich für die Veranstaltung angemeldet haben, zumindest auf diese Weise teilnehmen können. Auch hierzu lassen wir Ihnen alle nötigen Informationen rechtzeitig zukommen.

  • Montag, 16:30 - 18:00 (wöchentlich, 26.10.2020 - 12.02.2021)
  • Montag, 16:30 - 18:00 (wöchentlich, 07.12.2020 - 08.02.2021)

Verantwortlichkeit: