Preisträgerin in der Statusgruppe der Lehrenden
„Diversität zu fördern, bedeutet für mich, […] den Blick auf das Wesentliche zu richten: das Potential jedes Einzelnen."
14 Vorschläge erreichten das Auswahlkomitee für den diesjährigen Diversity-Preis. Zum 8. Mal würdigt die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) damit Menschen, die sich besonders für Vielfalt und ein gerechtes Miteinander einsetzen. Die Preise wurden am 9. Juni im Zuge des HHU-Nachhaltigkeitstages feierlich überreicht. Prof. Dr. Heidrun Dorgeloh hielt die Laudatio auf Parham Dabidian, PD Dr. Alexandra Ljimani und Lydia Schmidt. Sie tragen dazu bei, dass das Miteinander am Campus, noch offener, wertschätzender und bunter wird.
Preisträgerin in der Statusgruppe der Lehrenden
„Diversität zu fördern, bedeutet für mich, […] den Blick auf das Wesentliche zu richten: das Potential jedes Einzelnen."
Staatsexamen in Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität und Universität zu Köln, MSc in Medizinischer Physik an der Heinrich-Heine-Universität, derzeit Oberärztin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKD.
„Frau Dr. Ljimani zeichnet sich durch ein außergewöhnlich vielseitiges und nachhaltig wirksames Engagement für Diversity, Chancengleichheit und die Förderung wissenschaftlicher Karrieren aus, u.a. als Sprecherin des Netzwerks Diversity@DRG gestaltet sie Initiativen, die Sichtbarkeit, Teilhabe und Chancengerechtigkeit stärken, insbesondere in den Fokusgruppen „Radiologinnen@DRG“ und „Migrationshintergrund@DRG“ (Fachgesellschaft Deutsche Röntgengesellschaft). Als Ärztin und Medizinphysikerin verbindet sie interdisziplinäre Expertise mit einem klaren Blick für strukturelle Herausforderungen in der Wissenschaft. Diese Brückenfunktion überträgt sie konsequent auf Forschung, Lehre und insbesondere die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ihr ganzheitlicher Ansatz geht über die reine Förderung von Vielfalt hinaus…“
Ich engagiere mich seit 2018 an der HHU.
Meine Motivation für mein Engagement im Bereich Diversity ist stark durch meinen eigenen Hintergrund und Werdegang geprägt. Sowohl während meines beruflichen Werdeganges als auch in meinem alltäglichen Leben habe ich viele talentierte und engagierte Menschen kennengelernt, die nicht dem klassischen „Raster“ entsprechen und deshalb oft nicht die Unterstützung oder Chancen erhalten, die sie verdienen. Diese Erfahrungen haben mich nachhaltig beeinflusst. Ich habe früh für mich entschieden, dass ich, sobald ich die Möglichkeit dazu habe, aktiv dazu beitragen möchte, andere Menschen zu fördern und ihnen den Zugang zu Chancen zu erleichtern.
Aus meiner Sicht könnte die HHU insbesondere Lehrende und Führungskräfte stärker dafür sensibilisieren, die Zusammensetzung ihrer eigenen Teams kritisch zu hinterfragen, ganz im Sinne eines einfachen, aber wirkungsvollen Ansatzes: Wer sitzt eigentlich „rechts und links“ von mir, und sind unterschiedliche Perspektiven wirklich vertreten?
Ich wünsche mir, dass uns allen noch stärker bewusst wird, dass wir als Universität nicht nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind, sondern auch ein prägendes Vorbild für ihre Zukunft. Historisch gingen viele gesellschaftliche und politische Veränderungen von universitären Einrichtungen aus. Wenn es uns gelingt, innerhalb der HHU Unterschiede abzubauen und vielfältige Perspektiven sowie Meinungen bewusst zuzulassen, wird sich das langfristig auch positiv in unserer Gesellschaft widerspiegeln.
Diversität zu fördern bedeutet für mich, Barrieren abzubauen und den Blick auf das Wesentliche zu richten: das Potenzial jedes Einzelnen. Es ist bereichernd zu erleben, wie unterschiedliche Stärken sich entfalten und das Verständnis für verschiedene Lebensrealitäten wächst und genau das trägt dazu bei, die Welt ein Stück besser zu machen.
Die Resonanz ist gemischt: Überwiegend sind die Kolleg*innen und Studierende offen und unterstützend, während einige das Thema eher als zeitaufwendig empfinden. Oft ist es leicht, die Welt als chancengleich wahrzunehmen, wenn man selbst mit vielen Merkmalen zur Mehrheit gehört. Auch ich bin dabei keineswegs frei von blinden Flecken. Doch im Austausch mit anderen und durch aktives Zuhören wird schnell deutlich, dass die Ausgangsbedingungen nicht für alle gleich sind, etwa wenn jemand zusätzliche Herausforderungen wie einen Migrationshintergrund oder familiäre Belastungen mit sich trägt.
Absolut. Aktuell planen meine Kollegin aus dem Diversity@DRG Netzwerk und ich eine bundesweite Umfrage im Bereich der Radiologie, die sich gezielt mit der Vergütung von Radiologinnen beschäftigt. Wie in vielen Branchen bestehen auch hier enorme Unterschiede.
Preisträgerin in der Statusgruppe der Mitarbeitenden
„Vielfalt [ist] eine Stärke […] und Inklusion der Schlüssel, um diese Stärke voll zu entfalten. "
Master in Sozialpädagogik/Beratung und Case Management, zertifizierte Casemanagerin. Derzeit ist die Leiterin der Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung an der HHU.
„Lydia Schmidt engagiert sich als Leiterin der Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung für die Belange der ihr anvertrauten Studierenden in einem Umfang, der weit über ihre eigentlichen Dienstverpflichtungen hinausgeht. […] Besonders hervorzuheben ist die hohe fachliche Kompetenz, über die Lydia Schmidt im gesamten Bereich der Inklusion verfügt, von der neben den Studierenden auch eine Vielzahl anderer Akteur:innen an der HHU profitieren. Zusätzlich zu der Beratungstätigkeit hat sie auch einen guten Blick für strukturelle Defizite…“
Seit September 2022, mit Beginn meiner Tätigkeit als Leiterin der Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung.
Meine Motivation, mich an der HHU im Bereich Inklusion innerhalb von Diversity zu engagieren, entspringt dem Anspruch, ein Umfeld mitzugestalten, in dem alle Menschen gleichberechtigt teilhaben und lernen können – unabhängig von individuellen Voraussetzungen, Hintergründen oder Einschränkungen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, pragmatische Lösungen zu entwickeln. Inklusion darf nicht an theoretischen Konzepten stehen bleiben. Ich möchte dazu beitragen, konkrete und umsetzbare Ansätze zu finden, die den Studienalltag tatsächlich verbessern – sei es durch angepasste Lehrformate, barrierearme Kommunikation oder niedrigschwellige Unterstützungsangebote.
Für die HHU bedeutet Inklusion, Verantwortung auf allen Ebenen zu übernehmen und sie als Querschnittsaufgabe zu verankern. Dazu gehört, klare Strategien und Leitbilder zu entwickeln, die Inklusion fest in der Hochschulkultur verankern. Die Universität kann durch barrierearme Infrastruktur, inklusive Lehr- und Prüfungsformate sowie zugängliche Verwaltungsprozesse konkrete Voraussetzungen für Teilhabe schaffen. Gleichzeitig sind Sensibilisierung und Qualifizierung von Lehrenden und Mitarbeitenden entscheidend, um inklusives Handeln im Alltag zu fördern.
Sich für Diversität und Inklusion zu engagieren, lohnt sich, weil jede Perspektive zählt und echte Veränderung nur gemeinsam entsteht. Hochschulen sind komplexe Räume – genau deshalb braucht es Engagement aus unterschiedlichen Bereichen, um vielfältige Erfahrungen sichtbar zu machen und Verbesserungen anzustoßen. Jedes Engagement, ob in Lehre, Verwaltung, Forschung oder studentischen Initiativen, trägt dazu bei, die Hochschulkultur inklusiver und vielfältiger zu gestalten. Oft sind es gerade kleine Impulse, die Barrieren abbauen oder neue Zugänge eröffnen.
Viele Menschen sind grundsätzlich bereit, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen – besonders dann, wenn sie aktiv einbezogen werden und ihre Perspektiven zählen. Entscheidend ist daher, Beteiligung gezielt zu ermöglichen und sichtbar zu machen.
Wie bereits beschrieben, ist die Schaffung inklusiver Strukturen und tatsächlicher Teilhabe kein einmaliges Vorhaben, sondern ein fortlaufender Prozess auf vielen Ebenen. Er erfordert kontinuierliches Engagement, die Bereitschaft zur Weiterentwicklung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven innerhalb der HHU – und es gibt noch viel zu tun!
Preisträger der Studierenden
„Die gelebte Vielfalt auf dem Campus der HHU bereichert unsere Gesellschaft und deren Förderung ist bereits ausgeprägt."
Derzeit befindet er sich im MSc in Chemie, 2. Fachsemester.
„(…) Als Mitglied einer nicht-akademischen Familie mit persischen Wurzeln bringt Parham eine wertvolle, in studentischen Gremien oftmals unterrepräsentierte Perspektive ein. Diese Erfahrung prägt sowohl seine Haltung als auch seine Herangehensweise an hochschulpolitische und gemeinschaftliche Fragestellungen. In seiner Funktion als stellvertretender Sitzungsleiter sowie als aktives Mitglied der Fachschaft und der Fachschaften-Vertreterkonferenz (FSVK) agiert Parham als verlässlicher Vermittler zwischen Studierendenschaft und universitären Strukturen. Sein Engagement zeichnet sich durch eine hohe Zielorientierung und praktische Umsetzungskraft aus. (…)"
Seit ziemlich genau 2 Jahren, beginnend mit der Wahl zum Fachschaftsrat (06/2024). Irgendwie wurde ich selbstverschuldet zu einer Anlaufstelle für Fragen und bekomme seitdem als Community-Admin für Chemiestudierende praktisch täglich Nachrichten.
Meine Erfahrungen mit Notlagen, zufälligen Herausforderungen des Lebens, Diskriminierung und den mentalen Sozialen und emotionalen Halt zu bieten und das Leben am und um den Campus für andere zu bereichern, sowie für unterrepräsentierte Themen und Personen zu sensibilisieren treibt mich an.
Die Uni schafft Bewusstsein und bietet Beratungsangebote und Messen, sowie zunehmende Barrierefreiheit. Es mangelt es jedoch oft an Finanzierung oder Personal z.B. für Renovierungsarbeiten zur Erweiterung der Barrierefreiheit.
Die gelebte Vielfalt auf dem Campus der HHU bereichert unsere Gesellschaft und dessen Förderung ist bereits ausgeprägt. Zum Schutz dieser bedarf es aber, wie so oft, auch finanzieller Mittel und einer stärkeren Kommunikationsarbeit, um politisch mehr Unterstützung zu erhalten.
Die gelebte Vielfalt auf dem Campus der HHU bereichert unsere Gesellschaft und deren Förderung ist bereits ausgeprägt. Zum Schutz dieser bedarf es aber, wie so oft, auch finanzieller Mittel und einer stärkeren Kommunikationsarbeit, um politisch mehr Unterstützung zu erhalten. Gelebte Vielfalt hilft allen an der Universität und bereichert unsere Gemeinschaft. Wenn alle sich beteiligen können, wächst die Uni über ihr jetziges Potenzial hinaus. Jeder Mensch bringt eine andere Perspektive und andere Erfahrungen mit; man kann so viel von seinen Mitmenschen lernen, wenn man bereit ist ihnen Raum und sein Ohr zu geben.
Sehr positiv. Das gilt für den gesamten Fachschaftsrat, da alle gemeinsam für die Resonanz verantwortlich sind. Studierende befürworten Veranstaltungen mit Safer-Space-Regeln seitens der Fachschaften. Vor allem in der ESAG gibt es viel Dankbarkeit für die Mühen aller Fachschaftsräte.
Ich möchte mich wieder für die Fachschaftswahlen aufstellen lassen, sowie für neue Kandidaturen werben und das letzte Studienjahr so weitermachen