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Der Diversity-Preis 2021

Vielfalt beflügelt: Das zeigt der Diversity-Preis der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), der jetzt zum dritten Mal vergeben wurde. Die Ausgezeichneten stehen für all jene, die sich für Chancengerechtigkeit einsetzen und dafür sorgen, dass alle ihr Potenzial frei entfalten können. Exzellenz durch Vielfalt – diesen Grundsatz der HHU erfüllen sie mit Leben.

Am 19. Mai 2021 wurde der Diversity-Preis verliehen an Prof. Dr. Klaus Pfeffer, ehemaliger Prorektor für Strategisches Management und Chancengerechtigkeit und Leiter des Medizinischen Instituts für Mikrobiologie, an Danielle-Christine Ebers, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philosophischen Fakultät, sowie an die Medizinstudentin Caroline Ogechukwu Okoli. Die drei Ausgezeichneten wählte ein Komitee aus Vertretungen aller Statusgruppen, Prorektor Prof. Dr. Stefan Marschall und der Leiterin der Section Diversity (ehemals Koordinierungsstelle Diversity) des Heine Centers for Sustainable Development, Dr. Inge Krümpelbeck. Sie betont: „Die Resonanz auf den Diversity-Preis wächst weiter, was mich sehr freut. Trotz Corona wurden 20 Personen nominiert.“ Professor Marschall sieht ebenso die positiven Entwicklungen: „Es ist großartig, dass auch durch diesen Preis das Bewusstsein für die Chancen, die unsere Universität durch ihre Vielfalt hat, größer geworden ist.“

Hintergrund
Der Diversity-Preis wird jährlich an Vertretungen der drei Statusgruppen Lehrende, Studierende und Mitarbeitende verliehen. Alle Mitglieder der HHU können Personen vorschlagen, die sich besonders engagieren oder engagiert haben, indem sie
•    Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Toleranz an der Universität leben,
•    diversitysensibilisierende Projekte initiieren und durchführen,
•    sich in den Diversity-Dimensionen der HHU einbringen,
•    diversitätssensible Lehre konzipieren und anbieten oder
•    sich für den aktiven Abbau von Vorurteilen sowie physischen und psychischen Barrieren einsetzen.

Hier finden Sie Informationen zu anderen Jahren

Prof. Dr. med. Klaus Pfeffer

Preisträger in der Statusgruppe der Professor*innen & Lehrenden


"Nur durch eigenes Engagement kann jede*r Einzelne mithelfen, gesellschaftlichen Fehlentwicklungen entgegen zu steuern und Dinge zu verbessern."

Prof. Dr. med. Klaus Pfeffer

  • Studium/ Beruf
    Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der HHU, Mediziner
  • Wofür werden Sie als Preisträger*in ausgezeichnet/ Auszüge aus dem Nominierungstext
    „Er hat sich in seiner gesamten Amtszeit als Prorektor in außerordentlicher Weise für das Thema Diversity eingesetzt, die Koordinierungsstelle Diversity eingerichtet, dafür Sorge getragen, dass der Diversity-Fonds aufgelegt wurde und durch das Audit Vielfalt gestalten neue Rahmenbedingungen geschaffen. Beispielhaft dafür ist der neu gestaltete Raum der Stille, der Leitfaden & Handreichung für barrierefreie Lehre u. Diversity, die NavigationsApp Blindsquare Event für Sehende wie Nichtsehende.“
  • Seit wann engagieren Sie sich im Bereich Diversity an der HHU?
    Ich engagiere mich seit 2014 für das Handlungsfeld Diversity an der HHU. In meiner ehemaligen Funktion als Prorektor für Strategisches Management und Chancengerechtigkeit habe ich u.a. dafür gesorgt, dass die Koordinierungsstelle Diversity 2015 implementiert wurde und die HHU von 2016-2019 erfolgreich am Audit des Stifterverbands teilgenommen hat. Außerdem habe ich diverse Projekte zusammen mit der Koordinierungsstelle neu aufgelegt und umgesetzt, um das Thema an der HHU sichtbarer zu machen.
  • Was hat Sie motiviert sich zu engagieren?
    Als ehemaliger Prorektor für das Thema Chancengerechtigkeit sah ich es während meiner Amtszeit als meine ureigene Aufgabe an, mich hier zu engagieren. Außerdem interessieren mich Themen wie First Generation aufgrund meiner eigenen Biografie.
  • Was kann aus Ihrer Sicht von Seiten der HHU getan werden, um die Ergebnisse der jeweiligen Engagements fortzuführen bzw. auszubauen oder zu unterstützen?
    Was wünschen Sie sich im Hinblick auf Diversity zukünftig von der HHU?
    Aus meiner Sicht ist die Teilnahme an der Re-Auditierung ein wichtiger Schritt, um die Diversity-Arbeit auch in Zukunft weiterzuentwickeln. Zudem ist die Sicherstellung der finanziellen und personellen Ressourcen von Seiten des Rektorats eine Voraussetzung für die Fortführung der erfolgreichen Arbeit der Koordinierungsstelle Diversity als Section Diversity im neu gegründeten HCSD. Begrüßenswert wäre auch die mittelfristige Implementierung eines*r Rassismusbeauftragten an der HHU.
  • Warum sollen sich andere engagieren? / Warum lohnt es sich?
    Nur durch eigenes Engagement kann jede*r Einzelne mithelfen, gesellschaftlichen Fehlentwicklungen entgegen zu steuern und Dinge zu verbessern. Man sollte sich nicht immer auf die Tatkraft der Anderen verlassen, sondern selbst mit anfassen.
  • Wie ist die Resonanz von Kolleg*innen oder Studierenden?
    Unterschiedlich, die meisten Studierenden sind dem Thema zugeneigt, Kolleg*innen reagieren z. T. sehr positiv und neugierig, andere jedoch machen keinen Hehl daraus, dass sie das Thema entweder nichts anzugehen scheint oder sie es im Kontext „Universität“ für nicht relevant halten.
  • Gibt es bereits ein neues Projekt, welches Sie zukünftig angehen möchten und wovon Sie bereits erzählen könnten?
    Das Thema Chancengerechtigkeit und Vielfalt bei Berufungsverfahren an der HHU besser zu implementieren und die Mitglieder der Berufungskommissionen und Fakultätsräte zu schulen wäre sicherlich ein Projekt, bei dem sich ein Engagement für die Fakultäten der HHU lohnen würde.

Danielle-Christine Ebers

Preisträgerin in der Statusgruppe der Mitarbeitenden


"Jede Stunde, die ich bisher in ehrenamtliche Stunden investiert habe, sehe ich als Lehrstunden auch für mich selbst."

Danielle-Christine Ebers, 29

  • Studium/ Beruf
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement
    Master Sozialwissenschaften-Gesellschaftliche Strukturen und Demokratisches Regieren
  • Wofür werden Sie als Preisträger*in ausgezeichnet/ Auszüge aus dem Nominierungstext
    „Ich habe zwei Semester lang an dem Kurs "Flucht, Asyl und Integration", geleitet von Frau Ebers, teilgenommen und konnte unglaublich viele praxis Erfahrungen sammeln und tolle Kids und Jugendliche kennen lernen. Diese wichtige Arbeit, vor allem mit Geflüchteten Kindern sollte in Form eines Preises wertgeschätzt werden. Außerdem unterstützte mich Frau Ebers, in Form von Empfehlungen schreiben und Beratung darin, ein Auslandssemester in Asien zu absolvieren.“
    „Danielle Ebers setzt sich für Diversity und das ehrenamtliche Engagement an der HHU ein. Mit dem Projektseminar Flucht, Asyl und Integration bietet sie Studierenden die Möglichkeit sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinanderzusetzen und die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Zusammen mit Frau Ebers können Studierende Projekte für geflüchtete Kinder und Jugendliche organisieren und umsetzen.“
  • Seit wann engagieren Sie sich im Bereich Diversity an der HHU?
    2016 nahm ich als Studierende an dem Seminar Flucht, Asyl und Integration unter der Leitung von Philip Clooth teil und entwickelte mit Kommiliton:innen das Sprachbuddy-Projekt, dass über Patenschaften zwischen Geflüchteten und Studierenden zugewanderten Menschen den Zugang zur Gesellschaft, Kultur und Sprache ermöglichen sollte. Im SS 2019 übernahm ich das Service-Learning Seminars Flucht, Asyl und Integration und entwickelte gemeinsam mit Studierende Projekte, die Geflüchteten bei der Integration unterstützen. Seit dem WS 20/21 organisiere ich im Rahmen des Service-Learning Seminars Diversity an Hochschulen gemeinsam mit Studierenden Projekte, pandemiebedingt online, in denen Menschen mit verschiedensten Persönlichkeitsmerkmalen ihre Geschichten erzählen können und dadurch die Wertschätzung einer vielfältigen Gesellschaft gefördert und mehr gegenseitige Akzeptanz entstehen soll. Zudem sind einige Projekte geplant, die auf dem Campus nach Wiederöffnung umgesetzt werden sollen.
  • Was hat Sie motiviert sich zu engagieren?
    Die dramatischen Kriegszustände in Syrien, Irak und Afghanistan führten 2015 zu einem hohen Fluchtaufkommen. Menschen flohen über lebensgefährliche Routen (übers Mittelmeer) nach Europa und viele versuchten nach Deutschland weiterzureisen. In dieser Zeit begann mein ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete am Fernbahnhof in Düsseldorf, weil ich aktiv helfen wollte. Über Monate versorgten wir die tausenden ankommenden Menschen mit Lebensmitteln und Kleidung und haben ihre Weiterreise in die Flüchtlingsunterkünfte in ganz NRW geregelt. […] Seitdem habe ich Integrationsprojekte initiiert und über meine Stelle zunächst als SHK und dann wissenschaftliche Mitarbeiterin auch Studierende begeistern wollen, sich ehrenamtlichen Projekten zu widmen und ihre kreativen Ideen für soziale Projekte einzusetzen. […] Hinter Diversity steht der Ansatz die Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe für alle Gruppenmitglieder zu fördern.
    Da ich davon überzeugt bin, engagiere ich mich für Diversity und möchte zusammen mit Studierenden Ideen entwickeln, die Menschen für die Individualität von Menschen sensibilisiert und diese als Stärke hervorheben, anstatt Menschen aufgrund dieser zu degradieren, diskriminieren oder auszuschließen.
  • Was kann aus Ihrer Sicht von Seiten der HHU getan werden, um die Ergebnisse der jeweiligen Engagements fortzuführen bzw. auszubauen oder zu unterstützen?
    Was wünschen Sie sich im Hinblick auf Diversity zukünftig von der HHU?
    Damit Studierende für ehrenamtliches Engagement begeistert werden können, sollte es vermehrt Service-Learning Seminare in verschiedenen Fachbereichen geben. Durch Service-Learning können Studierende nicht nur Praxiserfahrungen sammeln, sondern ihre eigenen Stärken in Projekten kennenlernen und diese für soziale Probleme und das Gemeinwohl einzusetzen. Sie lernen gesellschaftliche Verantwortung kennen und erarbeiten Lösungen für soziale Herausforderungen.
    Ich würde mich über einen Austausch mit allen HHU-Angehörigen freuen, die sich im Bereich Diversity engagieren, evtl in Form von Netzwerktreffen. Dort könnten neue Projektideen diskutiert und sich Synergien ergeben.
    Es wäre interessant, wenn es regelmäßige Diskussionsforen gäbe, an denen auch Studierende teilnehmen könnten. In diesen könnten Handlungsbedarfe an der HHU auch aus Studierendenperspektive aufgegriffen werden.
    Es wäre sehr sinnvoll, wenn es Fortbildungsangebote für Mitarbeitende und Lehrende für die Sensibilisierung im Umgang mit Studierenden gibt. Mir wird oft von Studierenden von Vorfällen berichtet, dass sich Dozierende sexistisch und diskriminierend geäußert haben, was an einer Universität einfach nicht zulässig sein sollte und vermeidbar ist.
  • Warum sollen sich andere engagieren? / Warum lohnt es sich?
    Es gibt in meinen Augen kein Rezept warum eine Person sich ehrenamtlich engagieren sollte. Manche beginnen damit um sich selbst besser zu fühlen, andere weil sie eben gerne helfen, andere um neue Erfahrungen zu sammeln, manche um neue soziale Kontakte zu finden undundund.
    Mir wird des Öfteren die Redewendung entgegnet, dass mein Engagement  nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“ sei. Für mich ist das aber häufig nur eine Rechtfertigung für die eigene Untätigkeit und schließlich höhlt der stete Tropfen den Stein. Das Besondere am ehrenamtlichen Engagement ist, dass ich keinen monetären Lohn erhalte, sondern vielleicht ein Lächeln oder ein ernstgemeintes Dankeschön. Es ist einfach schön, Menschen in Not zu helfen oder generell Menschen eine Freude zu machen. Jede Stunde, die ich bisher in ehrenamtliche Stunden investiert habe, sehe ich als Lehrstunden auch für mich selbst. Ich habe viele Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen kennenlernen dürfen, wodurch ich gelernt habe, dass nichts selbstverständlich ist und ich dankbar sein sollte für das was ich habe.
  • Wie ist die Resonanz von Kolleg*innen oder Studierenden?
    Das Echo der Studierenden ist häufig, dass sie sehr dankbar für die gesammelten Erfahrungen sind und sich freuen auch im Studium sich praktisch und sozial engagieren zu können. Im Rahmen des Service-Learning Seminars konnten die Studierenden Planspiele ihrer eigenen Ideen durchführen und diese ohne Eigenrisiko umsetzen. Von einigen Studierenden habe ich erfahren, dass sie das motiviert hat selbstständiger zu werden und mutig ihre eigenen Ideen zu realisieren.
    Ich glaube Studierenden schätzten an mir, dass ich meine Freizeit in die Umsetzung ihrer Projektideen investiert habe und das hat sie wiederum motiviert auch an Wochenenden und abends weiter an den Projekten zu tüfteln. Die meiste Zeit hatte ich eine Teilzeit-Anstellung an der HHU und habe trotzdem die komplette Leitung aller Projekte übernommen und an Wochenenden Programme für geflüchtete Kinder mitorganisiert, weil ich das eben aus Leidenschaft und freiwillig tue. Diese authentische Begeisterung für das Ehrenamt lobten die Studierenden häufig.
  • Gibt es bereits ein neues Projekt, welches Sie zukünftig angehen möchten und wovon Sie bereits erzählen könnten?
    Wir möchten einen Youtube-Kanal zum Thema Diversity ins Leben rufen. Der Youtube-Kanal wird Tabuthemen aufgreifen. Wir werden Interviews mit Menschen verschiedenster Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen, sexuellen Identitäten…führen und wir wollen aufzeigen wie wertvoll die Individualität eines jeden Menschen ist.
    Projektentwicklung für Menschen, die besonders den Kontaktbeschränkungen in der Coronapandemie leiden: Die Projekte adressieren Menschen die unter Einsamkeit, finanziellen Nöten, sozialer Benachteiligung und psychischen Erkrankungen leiden.
    Sobald der Präsenzbetrieb an der HHU wieder beginnt, sind Projekte geplant die die HHU-Angehörigen näher zusammenbringen. Z.B. ein Spendenlauf, Organisation einer Picknickkorb Ausgabestation im botanischen Garten…

Caroline Ogechukwu Okoli

Preisträgerin in der Gruppe der Studierenden

"Mein größtes Ziel ist es, eines Tages die Möglichkeiten zu haben, nachhaltig Türen zu öffnen und Menschen an den Tisch zu lassen, die normalerweise gar nicht im Raum sind."

Caroline Okoli, 25

  • Studium/ Beruf
    Studentin der Humanmedizin (5. Jahr)
  • Wofür werden Sie als Preisträger*in ausgezeichnet?/ Auszüge aus dem Nominierungstext
    „Caroline war die erste Antidiskriminierungsbeauftrage des AStA der HHU und hat den Prototyp des Antidiskriminierungsmelders allein aufgebaut! Sie hat zig grandiose Veranstaltungen organisiert für vers. Gruppen, die Diskriminierung erfahren! Sie hat auch mehrere große Poetry Slams gegen Rassismus an der HHU auf die Bühne gebracht! Aktuell ist sie Gleichstellungsbeauftragte der HHU. Sie hat mich und andere Menschen mit ihrem starken Kampfgeist gegen Diskriminierung jeglicher Art inspiriert. Sie bildet sich stetig weiter.“
    „Ich habe Caroline als Studienkollegin kennengelernt und dann bei einer von ihr organisierten Filmvorführung das erste Mal in ihrer Rolle als Antirassismusbeauftragte erlebt. Durch ihre positive und mitreißende Art begeistert sie sowohl ihr persönliches Umfeld als auch andere Studierende und Interessierte für die Themen, die ihr am Herzen liegen. Sie setzt sich nun seit vier Jahren für Antidiskriminierung und Gleichberechtigung an der Uni ein und ist in der Antirassismus-Taskforce des BVMDs tätig.“
    „Caro ist seit 4 Jahren an der Uni für Antidiskriminierung und Gleichberechtigung tätig. Sie ist aktuell auch bei Antirassismus Taskforce for BVMDs tätig. Sie engagiert sich zudem für Internationale Studenten der Medizin als Tutorin für vorklinische Fächer.“
    [...]
  • Seit wann engagieren Sie sich im Bereich Diversity an der HHU?
    Für den Bereich Diversity engagiere ich mich bereits mein gesamtes Leben. Als Schwarze Frau in Österreich aufzuwachsen und nun in Deutschland Medizin zu studieren, ist mein bisher größtes Statement.
    Mein erstes Engagement an der HHU in diesem Zusammenhang, hat zunächst mit einem Ehrenamt als erste Antirassismus-Referentin des AStAs (Allgemeinen Studierendenausschuss) begonnen. Seitdem bin ich gesellschaftspolitisch immer tiefer hinein und auch über mich hinausgewachsen.
  • Was hat Sie motiviert sich zu engagieren?
    Ich müsste lügen, um zu behaupten, dass meinem Einsatz in irgendeiner Form ein aktiver Entscheidungsprozess zu Grunde gelegen wäre. Mir blieb, wohl aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl meinen Mitmenschen und auch mir selbst gegenüber, keine andere Wahl. Sei es in der Schule, in der ich mich aktiv gegen Mobbing gewehrt habe, um andere und mich selbst zu schützen. Oder mich im übertragenen Sinne aus Schubladen zu befreien, in die andere Menschen versucht haben mich von klein auf hineinzuzwängen. Ich bin eine Person die Ungerechtigkeiten, jeglicher Art, keinesfalls hinnehmen kann, sondern vom ersten Moment an, einen aktiven Gegenpol bildet. Mein größtes Ziel ist es eines Tages, die Möglichkeiten zu haben nachhaltig Türen zu öffnen und Menschen an den Tisch zu lassen, die normalerweise gar nicht im Raum sind.
  • Was kann aus Ihrer Sicht von Seiten der HHU getan werden, um die Ergebnisse der jeweiligen Engagements fortzuführen bzw. auszubauen oder zu unterstützen? Was wünschen Sie sich im Hinblick auf Diversity zukünftig von der HHU?
    AKTIVERES ZUHÖREN. Ich denke, dass das ein großes Problem unserer Gesellschaft ist. Wir sind so damit beschäftigt uns selbst beim Reden zuzuhören, dass wir die Worte des Gegenübers gar nicht mehr wahrnehmen. Geschweige denn auf uns wirken lassen. 
    NACHHALTIGER VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN. Dieser Punkt erklärt, warum viele großartige Ideen, schnell wieder im Sand verlaufen. Durch die Entziehung aus der eigenen Verantwortung, versuchen wir jegliche Form der Zurechnungsfähigkeit zu entgehen, um weiterhin ungeniert mit dem Finger auf die „Anderen“ zu zeigen und Themen in Ruhe weiter delegieren zu können.  [...]
  • Warum sollen sich andere engagieren? / Warum lohnt es sich?
    Diese Frage hätte mich vor wenigen Jahren noch sehr irritiert.  Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte ich dann mit der Gegenfrage: „Warum sollten sie das nicht tun?!“ geantwortet. Im Zuge meiner verschiedenen Rollen und Ämter, habe ich jedoch erkennen müssen, dass nicht alle dieselben Ansichten in Bezug auf Engagement und sozialer Verantwortung teilen. Nicht jede*r ist sich ihrer/seiner Macht zur Systemänderung im vollem Umfang bewusst. Oft folgen auf diese Fragen Antworten wie „Es ändert sich ja eh nichts.“, „Was kann ICH schon tun?“ oder „Meine Meinung zählt sowieso nicht.“ Ein Zustand der Resignation. Wenn wir es schaffen sollten, diesen Zustand der Resignation in einen Zustand der Aktion umzuwandeln, dann würden sich wie von selbst, viel mehr Menschen dazu berufen fühlen den Unterschied zu machen.
  • Wie ist die Resonanz von Kolleg*innen oder Studierenden?
    Mein Umfeld ist gefüllt mit Menschen, die sich wie ich gesellschaftspolitisch engagieren bzw. jene Probleme im Blickwinkel haben, die auch mir ein Anliegen sind. Demnach könnte ich auf diese Frage stumpf antworten: „Super! Es geht endlich mit kleinen Schritten, in die richtige Richtung. Wir sind aktiv dabei Geschichte zu schreiben.“
    Ob das tatsächlich der Fall ist oder ich in Wahrheit einen gigantischen toten Winkel übersehe – das kann ich nicht abschließend feststellen. Hoffen wir es mal nicht.
  • Gibt es bereits ein neues Projekt, welches Sie zukünftig angehen möchten und wovon Sie bereits erzählen könnten?
    Aktuell arbeite ich zusammen mit der Bundesvertretung Medizinstudierender Deutschlands an der Gründung einer Antirassismus-Taskforce. Mit dem Ziel Rassismus-Kritisches-Denken auch als Lehrpunkt in das Medizinstudium einzubringen. Denn Antirassistisch zu sein, ist nicht einfach kein*e mutmaßliche*r Rassist*in zu sein. Es ist die bewusste Entscheidung aktiv in das Geschehen einzugreifen und jene Mauern zu durchbrechen, die wir gelernt haben mit Bravour zu ignorieren.
Verantwortlichkeit: